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Normalerweise schreibe ich in diesem Blog ja über "Führung im Vertrieb". Finde gute Beispiele. Für gute Mitarbeiterführung, gute Unternehmensführung, gute Selbstführung. Oder rege mich über Auswüchse in der Finanzindustrie auf. Beschreibe Missstände im Vertrieb ... und Lösungsmodelle. Setze mich mit dem Kunden 3.0 auseinander und damit, was der neue Kunde mit seinen Ansprüchen für die Vertriebsmitarbeiter heute bedeutet.
Momente, die innehalten lassen
Dann aber immer wieder gibt es Momente und Geschichten, die mich innehalten lassen. Die die Perspektive verrücken und Akzente setzen. Einen solchen Moment gab es Ende letzter Woche, als ich erfahren habe, dass ein sehr geschätzter, junger, engagierter, energie- und liebevoller Trainer- und Speakerkollege plötzlich verstorben ist. Ein Mensch, dessen Gedenken ich immer in Ehren halten werde. Ein Moment, der über Vergänglichkeit und Zukunft, über Verlust und Überwindung nachdenken lässt.
Geschichten von Mut, Selbstführung, mentaler Stärke
Und dann gibt es eben auch Momente, die positiv über Verlust und Überwindung nachdenken lassen. Geschichten von Mut, Selbstführung, mentaler Stärke. Wie die des 70-jährigen Bergsteigers, der in eine Gletscherspalte gestürzt ist und dort eine Woche - auf seine Skistöcke und seinen Rucksack gekauert -, überlebt hat, bis er gerettet wurde.
Was ihm das Überleben ermöglichte: Ein schlaues "Körpermanagement" - möchte ich es mal nennen -, und vor allem mentale Stärke und Durchhaltewillen. Eine Resilienz, die Survival-Experte Heiko Gärtner in einem Beitrag in der Welt.online unabdingbares Lebenselixier bewertet.
Ganz auf sich selbst zurückgeworfen, hilft dem Menschen in der engsten Lebenswelt wie auch der Geschäftswelt das Gleiche: Gelassenheit. Akzeptanz, dass etwas sehr Schlimmes eingetreten ist, und dass es nun keinerlei Nutzen hat, darüber zu grübeln und sich in Sorgen reinzusteigern. Sondern lösungsorientiert zu fragen: Wenn es denn nun so gekommen ist - was kann ich konkret tun, damit es mir wieder besser geht?
Vor allem: Wem bin ich wichtig - und wer ist mir wichtig? Für wen will ich weitermachen, wen will ich nochmal wiedersehen, wer soll nicht auf mich verzichten müssen?
Diese Gedanken haben nach verschiedenen Presseberichten auch andere Menschen in extremen Notsituationen angetrieben. Bekannt - und unter dem Titel "127 Hours" verfilmt - ist die Geschichte von Aren Ralston, der bei einer Canyon-Wanderung in Colorado in eine Felsspalte stürzte und sich nach Tagen nur befreien konnte, imdem er sich selbst die eingeklemmte Hand amputierte. Die Liebe zu seiner Familie und seinen Freunden gab ihm die Kraft dazu.
Sein Lebenswissen heute: " Es kommt vor allem auf die Beziehungen zu Menschen an".
Für mich sind das Momente und Geschichten, die uns viel Einsicht geben.
Die die Perspektive auf das eigene Tun erweitern.
Ihr Andreas Buhr

Ja, es gibt Stimmen, die angesichts beispielsweise der jüngsten Libor- und möglichen Euribor-Manipulationen durch Großbanken fordern, dass deren Manager zur Rechenschaft gezogen werden sollen (auch wenn bisher fraglich ist, ob die geplanten Sammelklagen überhaupt Erfolg haben werden).
Und ja, einige Ökonomen des DIW haben ein Gedankenexperiment gewagt, Bürger mit einem Vermögen von mehr als einer viertel Million Euro zur Sanierung der Staatsfinanzen mitzuverpflichten. Klingt unfreundlich - sicher sogar vorschnell und nassforsch. Ganz abgesehen davon, dass er von Finanzminister Wolfgang Schäuble bereits als "weder sinnvoll noch notwendig" bezeichnet worden ist.
Ich hoffe, das gilt nur für ihn selbst.
Denn ich bin der Ansicht, dass die allermeisten Mitmenschen schon genau zu unterscheiden wissen, welche Leistung mit Recht ausgezeichnet wird - auch mit viel Geld -, und welche eben zu Unrecht.
Die auf der einen Seite allerdings dafür sind, dass Milliardenboni beschnitten und unfähige Bankvorstände, Aufsichtsräte oder CEOs nicht mehr mit goldenem - ach, was sag ich, mit Platinum -, Handshake entlassen werden, sondern Verantwortung übernehmen sollen.
(... da fällt mir ein, was ist denn aus der Forderung nach Mali geworden? ...)
In derselben Welt.online übrigens wird der neue Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig, so zitiert: "...seine Energie, seine Kraft, sein Herz eingesetzt, um Schleswig-Holstein zu dienen. Davor habe ich großen Respekt. Ob man das als Feuerwehrmann macht oder als Ministerpräsident ist dabei unerheblich. Man sollte einem Regierungschef jedenfalls nicht unterstellen, dass er dieses Amt nur ausfüllt, weil er Macht so toll findet, oder viel Geld verdienen wollte".
Solchen "Super-Männchen" - sorry, so heißt es in der Zeit wörtlich - widmet die angesehene Zeitung zuletzt eine umfangreiche Geschichte. Ob Franz (Lufthansa), Rorstedt (Henkel), Bock (BASF) oder viele andere: Die neuen Chefs sind kompetent, bescheiden, auf Verbundenheit bedacht, Mannschaftsorientiert.
Zumindest sind sie das: auch.
Mehr als ihre Vorgänger vom Typ brachialer Erfolgsbrocken, der über Trümmer steigt.
Wenn ich so drüber nachdenke, Herr Poschardt, dann glaube ich nicht, dass Sie Recht haben, dass "in Deutschland die Reichen die Bösen" sind. Ich glaube nicht, dass wir eine Neid-, Frust und Schlammschlachtgesellschaft sind.
Ich glaube, dass die Leute fein unterscheiden: Wer gute Leistung zeigt, die vielen was bringt, der soll auch gut verdienen. Nur wer sich unanständig die Taschen vollmacht, der soll die Finger da wieder rausholen!
Wie sehen Sie das, liebe Leserinnen und Leser?
Ihr Andreas Buhr

Viele Menschen fürchten, verfängliche Facebook-Einträge könnten ihre Karriere gefährden. Doch wer so denkt, führt schnell ein Doppelleben.
Auf unseren Tischen stapeln sich zurzeit Bücher zum Thema Social Media. Die meisten beschäftigen sich mit Fragen wie: Wann profitieren Unternehmen am stärksten von einer Präsenz auf Facebook? Soll der CEO twittern? Gehören die Bilder von der Firmenparty ins Netz?
Manche dieser Bücher sind richtig gut. Die fassen wir dann zusammen. Aber in fast allen steht dieser eine Tipp, über den ich mich fürchterlich aufrege: "Passen Sie auf, was Sie auf Facebook posten. Es könnte Ihrer Karriere schaden."
Was soll das? Am Wochenende die Sau rauslassen, und dann am Montagmorgen den seriösen Geschäftsmann mimen? Dieser Haltung kann ich nichts abgewinnen. Ich will wissen, wer meine Mitarbeiter sind, und ich will wissen, wen ich einstelle. Wenn mir Facebook hilft, einen Kandidaten besser kennenzulernen, so ist das hilfreich. Ich finde es nützlich zu erfahren, ob eine Bewerberin möglicherweise eine Bonsai-Fanpage pflegt - sie wird dann sicherlich auch ihre Arbeit gewissenhaft machen. Oder ob ein Bewerber Susaphon spielt - er hat sicher keine Angst vor dem großen Auftritt, und teamfähig ist er auch. Ob jemand gerade einen Porsche geleast hat - vielleicht nicht ideal für die Buchhaltung. Oder ob ein anderer Karaoke-Videos ins Netz stellt - er könnte eine super Stimme für den Kundenservice per Telefon haben. Solche Dinge sagen oft viel mehr aus als ein offizieller Lebenslauf.
Menschen suche ich, nicht die Schauspieler. Ich habe Angst vor Zeitgenossen, die Angst vor ihremFacebook-Profil haben.
Jemand hat sein Wirtschaftsstudium abgebrochen? Also gut, immerhin hat er den Mut, seinen Weg - wenn nötig - zu korrigieren. Jemand wird von seinen Fußballkollegen als Grobian verunglimpft? Alles, was recht ist, aber in harten Verkaufsverhandlungen muss ein Mitarbeiter auch einmal mit harten Bandagen kämpfen können.
Selbst offensichtliche Fehler, Niederlagen und Peinlichkeiten müssen einer ehrlichen Person nicht zum Nachteil gereichen. Gerade in schwierigen Situationen zeigt sich, wer Charakter hat, wer zu sich, seinem Leben und seinem Wort steht. Auf die Palme bringen mich Fälle wie der des zurückgetretenen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, des wegen Devisengeschäften ausgeschiedenen Präsidenten der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, des Ex-Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg oder des ehemaligen Chefs der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel. Nicht, weil diese Führungskräfte Fehler begangen haben. Das tut jeder. Mir sind aber Menschen suspekt, die versuchen, ein perfektes Saubermann-Image zu pflegen. Und die dann, wenn ihnen ein Fehler unterlaufen ist, nicht dazu stehen wollen oder dies nur nach extremem Druck von außen tun. Schlimm sind oft nicht die Verfehlungen, sondern die Vertuschungen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass manche der Genannten, die zurücktreten mussten, weiterhin einen guten Job machen würden, ja, dass sie sogar ihren Posten hätten behalten können - wenn sie von Anfang an für ihre Fehler geradegestanden hätten. Es ist ja durchaus nicht so, dass immer die besten Leute die weißeste Weste haben. Der britische Premierminister Winston Churchill beispielsweise war ein ausgebuffter Kerl. Hehren ethischen Idealen begegnete er ziemlich pragmatisch, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Als Gegenspieler Adolf Hitlers war er aber genau der Richtige.
Worauf es ankommt
Heute besteht die Gefahr, dass wir vor lauter Sauberkeitswahn die zentralen Fragen aus den Augen verlieren: ob ein Kandidat Rückgrat hat und für seine Aufgabe wirklich geeignet ist. Das ist es, was zählt.
Deshalb messe ich Menschen nicht an den Fehlern, die sie möglicherweise gemacht haben, sondern an den Ergebnissen, die sie liefern. Deshalb will ich wissen, wer sie sind, welche Eigenschaften sie mitbringen und welche nicht. Nur so kann ich ihnen die richtigen Aufgaben geben, nur so weiß ich, ob sie diese überhaupt erfüllen können. Das bedeutet, sowohl bei Bewerbungen als auch im Alltag: kein Doppelspiel, keine Heimlichtuereien, Falschheiten oder Intrigen. Stattdessen Offenheit, Ehrlichkeit, Mut. Das sind wertvolle Eigenschaften, ganz egal, was jemand erreicht oder verpatzt hat. Das sind die Dinge, die eine künftige Elite auszeichnen, so wie ich sie mir vorstelle.
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